Stächele: Mit aller Kraft dagegen

Abgeordneter sagt in Kappelrodeck seine Unterstützung gegen das Volksbegehren "Rettet die Bienen" zu

01.10.2019 | Mittelbadische Presse/ARZ/Roland Spether
An der Dasensteinhütte in Kappelrodeck mit ihrem herrlichen Ausblick auf die Kulturlandschaft informierte der BLHV über die Folgen des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ für die heimische Landwirtschaft. ©Roland Spether
An der Dasensteinhütte in Kappelrodeck mit ihrem herrlichen Ausblick auf die Kulturlandschaft informierte der BLHV über die Folgen des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ für die heimische Landwirtschaft. ©Roland Spether


Welche negativen Auswirkungen das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ für die Landwirte hat, war Thema eines BLHV-Treffens mit dem Landtagsabgeordneten Willi Stäche in Kappelrodeck. Die Dasensteinhütte wurde dazu nicht zufällig ausgewählt.
 

Die „schönste Weinsicht“ vom Dasenstein aus mit weitem Blick auf die herrliche Kulturlandschaft hatten die BLHV-Verantwortlichen des Bezirks und Ortsvereins bewusst gewählt, um dem Landtagsabgeordneten Willi Stächele die existenzbedrohende Lage der Winzer und Obstbauern durch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ deutlich zu machen. 

„Herr Stächele, wie stehen Sie zu uns, stimmen Sie im Landtag für die Landwirtschaft oder dagegen?“, wollte die Obstbaumeisterin Verena Mayer-Bühler wissen. Der Landtagsabgeordnete zeigte sich als ehemaliger Landwirtschaftsminister und Bürgermeister einer Renchtalgemeinde zunächst leicht verwundert über diese Frage, doch dann kam mit kämpferischer Stimme sein deutliches Statement: „Ich werde mit aller Kraft gegen dieses Volksbegehren arbeiten, weil ich die Folgen nie und nimmer verantworten kann. Ich werde alles daran setzen, dass die Bürger darüber aufgeklärt werden.“ 

Zuvor hatte Bürgermeister Stefan Hattenbach betont: „Ich werde das Volksbegehren nicht unterschreiben, weil es enorme Folgen für die Menschen und unsere Gemeinde hat.“ Er mache er sich bei der Umsetzung des Volksbegehrens „große Sorgen“, dass Kappelrodeck seinen Stellenwert als Wein-, Obst- und Wohngemeinde verliere und auch der Tourismus großen Schaden nehme. 

Dramatische Folgen

Weiter stellte sich Hattenbach wie seine Kollegen Reinhard Schmälzle (Seebach) und Hans-Jürgen Decker (Ottenhöfen) hinter die wichtigen Erzeuger heimischer Produkte und forderte eine sachgemäße Aufklärung der Bürger. Wenn die Forderungen des Volksbegehrens realisiert würden, dann könnten die Menschen in Kappelrodeck zwar weiterhin Wein trinken und Obst essen, die Produkte kämen dann aber aus Neuseeland, Chile oder Südafrika. Viele Landwirte hätten dann keine Existenzgrundlage mehr. „Uns steht dann das Wasser bis zum Hals“, meinte Otmar Köninger. Verena Mayer-Bühler malte gar das Szenario vom Folientunnel aus dem Achertal bis an den Rhein an die Wand. 

Dass der BLHV-Bezirksgeschäftsführer Stefan Schrempp und der Ortsvorsitzende Klemens Schnurr über 70 Landwirte, Winzer, Obstbauern und Verantwortliche von Winzergenossenschaften, Verbänden und dem OGM Mittelbaden begrüßten, verdeutlichte am Dasenstein und danach auf dem Betrieb von Bernhard Berger in Wagshurst, wie sehr allen das Thema unter den Nägeln brennt. Alle Redner befürchteten, dass sich Menschen in Städten fernab von Landwirtschaft sich von dem Slogan „Rettet die Bienen“ wohl ansprechen lassen und unterschreiben, ohne das Kleingedruckte zu lesen und sich Gedanken darüber zu machen, dass die Umstellung auf 50 Prozent Ökolandbau oder der komplette Verzicht von Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten nicht machbar seien. Dies bedeute auch, dass die Bekämpfung der Schnaken in den Rheinauen nicht mehr möglich sei, denn diese seien auch Schutzgebiete, so Winzer Alois Huber. 

Bedauert wurde, dass es den Landwirten nicht gelang, die vielen ökologischen Maßnahmen in der Bevölkerung zu verankern. Diese müsste auch viel stärker die regionalen Produkte nachfragen und damit das gesamtgesellschaftliche Thema heimische Landwirtschaft und den Erhalt der Kulturlandschaft unterstützen.