„Medien sind keine Manipulatoren, sondern Vermittler“

Dollenberg-Dialog, 16.07.2020

17.07.2020
Christian Nienhaus (v.l.n.r.), Roboter „Sweaty“, Willi Stächele, Prof. Winfried Lieber, Meinrad Schmiederer, Dr. Dietrich Birk
Christian Nienhaus (v.l.n.r.), Roboter „Sweaty“, Willi Stächele, Prof. Winfried Lieber, Meinrad Schmiederer, Dr. Dietrich Birk

Der erste „Dialog Dollenberg“ nach Ausbruch des Corona-Virus war von einem vielfältigen Programm geprägt, das sowohl die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie beleuchtete als auch Einblicke in die neuesten Entwicklungen der Hochschule Offenburg im Bereich Künstliche Intelligenz gewährte.

Bad Peterstal-Griesbach. Mehrmals im Jahr treffen sich auf Initiative des Landtagsabgeordneten Willi Stächele (CDU) und Meinrad Schmiederer, Chef des Relais & Châteaux Hotel Dollenberg, Vertreter aus Politik und Wirtschaft in Bad Peterstal-Griesbach, um aktuelle Themen zu diskutieren. „Dialog Dollenberg“ heißt das Format, zu dem Stächele die Mitglieder der Diskussionsrunde und Ehrengäste regelmäßig einlädt. Einer der Ehrengäste beim „Dialog Dollenberg“ am vergangenen Donnerstag war Christian Nienhaus. Der Geschäftsführer der Axel Springer SE in Deutschland unterhielt die Gäste mit einem kurzweiligen Streifzug durch die Geschichte der Medien und hinterfragte die weitverbreitete Meinung, Journalisten und Redakteure seien Manipulatoren, kritisch. „Die Medien sind wie ein Verstärker: Wenn es eine Melodie im Volk gibt, und sei sie auch noch so leise, dann können die Medien diese verstärken“, sagte Nienhaus. Medien seien keine Manipulatoren, sondern Vermittler, nahm er seine Zunft in Schutz. Allerdings müsse auch die Gesellschaft ein Umdenken in manchen Bereichen einfordern, beispielsweise im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. „Damit beim ‚Tatort‘ nicht immer die Unternehmer die Bösen sind, sondern auch mal die Helden“, so der Medienmanager. Ein ganz anderes Kapitel schlug Winfried Lieber, Rektor der Hochschule Offenburg, auf. Er gab einen Überblick zu den aktuellen Entwicklungen seiner Einrichtung im Bereich Künstliche Intelligenz. Passend dazu hatten er und seine Kollegen den Roboter „Sweaty“ – autonomes System und vierfacher Fußball-Vizeweltmeister in seiner Kategorie – mitgebracht. „Sweaty“ überzeugt nicht nur durch seine sportlichen Leistungen, sondern auch beim „Stein-Schere-Papier“-Spiel, das er gegen menschliche Gegner immer gewinnt, da er zehnmal schneller als Mensch erkennt, welche Geste dieser macht. So ganz ohne Corona und bedrückende Nachrichten kam die Dollenberg-Truppe jedoch an diesem Abend nicht davon: Dietrich Birk, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Maschinen- und Anlagenbaus Baden-Württemberg, zog bei der Veranstaltung eine kurze Bilanz. Der Abschwung, der sich 2019 in seiner Branche schon angekündigt hatte, habe sich 2020 durch Corona noch verschärft, so Birk. In den letzten Jahren habe er aus Unternehmerkreisen viel Kritik an der Politik vernommen. „Aber in der Krise haben die Regierungsparteien richtig agiert und reagiert“, lobte er. „Die Koalition in Berlin hat Handlungsfähigkeit bewiesen.“ Deutschlandweit seien im Maschinenbau noch immer 300 000 Menschen in Kurzarbeit, davon ein Drittel in Baden-Württemberg. Birk bezeichnete das Kurzarbeiter-Instrument als sehr wirkungsvoll, sorgte sich aber dennoch um die Zukunft der Branche: „Je länger diese Phase dauert, umso schwieriger wird es, die Stammbelegschaft zu halten.“ Birk mahnte die anwesenden Politiker, nicht nachzulassen, wenn es darum gehe, zentrale Wertschöpfungsketten in Deutschland zu halten. „Vor allem überlebensnotwendige Bereiche wie Arzneimittel oder chemische Industrie“, forderte er. Gastgeber Willi Stächele erinnerte daran, dass das Land Baden-Württemberg, dass seit langer Zeit ohne Neuverschuldung ausgekommen sei, jetzt tief in die Schuldentasche greifen werde. „Wir werden um die zwölf Milliarden Euro in den kommenden zwei Jahren aufnehmen, es gibt keine Alternative dazu“, sagte der Landtagsabgeordnete. „Ich finde es zwar löblich, dass wir sagen, unsere Generation zahlt das wieder ab.“ Aber ob das so genau klappe, sei noch nicht ausgemacht, so Stächele. Man müsse sich auf jeden Fall darauf vorbereiten, „dass wir jetzt über mehrere Jahre Unterkante haben“.